Die Geschichte der Kultur- und Sportvereinigung 1953 Schifferstadt e. V.

von Norbert Kühner

Die Gründungsversammlung fand am 20.02.1953 im Gasthaus „Zur Kanne“ in Schifferstadt statt.
Gründungsmitglieder waren:

Rotes Kreuz
Volkschor Vorwärts
MGV Concordia
MGV Eintracht
Handharmonikafreunde
Verein für Heimatpflege
SV Phönix
Touristenverein
FSV 13/23
Musikverein Harmonie
VfK
ADAC
Schützengesellschaft
Schifferstadter Volksmusik
Verein für Hundefreunde
Kaninchenzuchtverein
Angelsportverein
TV 1885

Einberufen zur Gründung eines örtlichen Vereinskartells hatte der Ehrenvorsitzende des TV 1885, Georg Hammer. Alle anwesenden Vereinsvertreter erklären dem Ortskartell beizutreten. Martin Schweißguth, FSV 13/23 stellt aufgrund dieses Ergebnisses fest, dass damit die Gründung des Ortskartells vollzogen sei.
Im weiteren Verlauf der Gründungsversammlung wurden die Bildung eines Hauptausschusses, eines Sportausschusses und eines Kulturausschusses beschlossen.
Die noch an diesem Abend von Wahlleiter Peter Kuhn vom FSV 13/23 durchgeführten Wahlen ergaben folgendes Ergebnis:

1. Vorsitzender                                               Georg Hammer
2. Vorsitzender                                               Valentin Geimer
Geschäftsführer                                              Karl Johann
Schatzmeister                                                Rudi Herrmann
Vertreter der Kulturvereine                               Jakob Weihnacht
Vertreter der Sportvereine                                Wilhelm Keßler
Beisitzer                                                        Walter Kolb
Kassenrevisor                                                 Hermann Nickelsburg
Kassenrevisor                                                 Johannes Hammer

Die KuS hatte damit ihren ersten Vorstand.
Darüber hinaus wurde Wilhelm Keßler, SV Phönix zum Sportausschussvorsitzenden und Jakob Weihnacht, MGV Concordia zum Kulturausschussvorsitzenden gewählt.

Bezüglich des Namens entschied man sich für

„Kultur- und Sportvereinigung Schifferstadt“

Der Vorsitzende Georg Hammer stellte bei der Gründung ausdrücklich fest:

Die Kultur- und Sportvereinigung entsagt jeglicher politischer und konfessioneller Tendenzen.

Das  Ehrenmitglied der KuS, Karl Schweißguth, der weit über 50 Jahre ein Vorstandsamt bekleidet hat, war bei den schwierigen Anfangsverhandlungen Protokollführer.
Ziele der neuen Kultur- und Sportvereinigung waren die Förderung mannigfacher Beziehungen zwischen den Mitgliedern, die gute Zusammenarbeit zwischen den Vereinen zu gewährleisten und die Durchführungen gemeinsamer Veranstaltungen. In Absprachen über Terminfestsetzungen sollten Überschneidungen vermieden werden.
Interessant ist, dass damals bereits die Errichtung einer Sporthalle angesprochen wurde.
Die Arbeit der Kultur- und Sportvereinigung lief an. Die Gründung des Dachverbandes hat wohl einigen Wirbel in der jungen Stadt Schifferstadt verursacht.
Pfarrer Schwartz von St. Jakobus und Kaplan Erwin Diemer von St. Laurentius verwahrten sich in Leserbriefen „gegen die Entkonfessionalisierung“. Warum werden konfessionelle Vereinigungen ausgeschlossen?
Kulturelles Leben kann nicht ohne Mitwirkung konfessioneller Vereine gestaltet werden, wie sie schrieben.“
Die Kulturabteilung der Vereinigung forderte von der Stadt aus dem Kulturfonds in erster Linie ortsansässige Vereine und weiterhin in erster Linie in gleicher Höhe nur Vereine der Kultur- und Sportvereinigung zu fördern.
Im September 1953 sind 20 Vereine bei der Kultur- und Sportvereinigung die beantragen, die Vergabe der Waldfestplatztermine selbst regeln zu wollen. Der städtische Hauptausschuss lehnt das ab, weil dies Aufgabe des Kulturausschusses und des Sportausschusses der Stadt sei.
In den ersten Jahren war die Entwicklung dieser Dachorganisation nicht so wie sich die Gründungsväter das vorgestellt hatten. 1954 plädiert Walter Kolb für außenwirksame Gemeinschaftsveranstaltungen um die Attraktivität des Dachverbandes deutlich zu machen. Gleichzeitig setzt eine Gegenbewegung ein: der städtische Kulturausschuss will kulturelle Veranstaltungen durchführen. Das Pfalztheater soll nach Schifferstadt kommen, Konzerte mit dem Pfalzorchester werden tatsächlich vereinbart. Die Gründung einer Volkshochschule wird in Erwägung gezogen. Ein Theaterring wird gegründet, der regelmäßige Busfahrten zum Nationaltheater organisiert. Und man spricht vom Bau eines Kulturhauses.
Andererseits verlangt die Kultur- und Sportvereinigung, stellvertretend für die Vereine in Kulturausschusssitzungen, mitreden zu können. Die Stadt erhöht ihren Kulturfonds von 1.000, auf 3.000,- DM und setzt für einen Sportfonds den gleichen Betrag ein. Bürgermeister Teutsch sagt der Kultur- und Sportvereinigung Zusammenarbeit zu.
Inzwischen wird eine breite Diskussion innerhalb der Kultur- und Sportvereinigung über mögliche politische Bestrebungen geführt. Georg Hammer wehrt sich gegen den Vorwurf, eine eigene Liste für die Kommunalwahl erstellen zu wollen,  bzw. offizielle Verhandlungen geführt zu haben. Wenn, dann könnte dies nur außerhalb der Kultur- und Sportvereinigung geschehen, war seine Meinung. Die Irritationen wegen politischer Ziele konnten ausgeräumt werden.
Nachdem das erste Gemeinschaftskonzert der KuS 1954 zu einem totalen Reinfall wurde, fand das zweite Konzert 4 Monate später im März 1955, statt – und war von Erfolg gekrönt. Langsam aber sicher wächst in den Folgejahren die Kultur- und Sportvereinigung zu einer aktiven Vertretung der Schifferstadter Vereine heran. Die anfänglichen Reibereien mit der Stadt mit politischen Gruppierungen nehmen ab. Es dauert allerdings insgesamt 20 Jahre bis ein völlig unverkrampftes Verhältnis zwischen Kommune und Kultur- und Sportvereinigung festzustellen ist.
Die Arbeit zwischen den zusammengeschlossenen Vereinen läuft heute problemlos. Man spricht sich gegenseitig ab, die Stadt überlässt die Festlegung der Waldfesttermine der Kultur- und Sportvereinigung.
Die Vereinsmitglieder besuchen sich gegenseitig bei den Konzerten, bei den Waldfesten, sie nehmen an Veranstaltungen anderer Vereine teil und sorgen so für ein gutes, sicheres Publikum. Gegenseitige Unterstützung und vertrauensvolle Zusammenarbeit waren die Grundlage für jahrzehntelange gute Arbeit in der Dachorganisation.
Gute Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Stadt lohnt sich, bringt jedem Vorteile, dem einzelnen Verein, der Stadt, den Bürgern. Die Stadt wiederum kann sich auf ihre Vereine verlassen.
Zusammen mit einer Arbeitsgemeinschaft der Vereine päppelt sie das Rettichfest wieder auf, das in seiner Existenz bedroht war. Ohne das Engagement Vieler wäre es vor einigen Jahren nicht möglich gewesen, das große Heimatfest in der Vorderpfalz in vernünftigem Rahmen weiter zu führen. Das vertrauensvolle Zusammenwirken zwischen Stadt und KuS zeigt sich auch darin, dass der Bierlieferungsvertrag zum Rettichfest nicht mehr zwischen Stadt und Brauerei sondern von der KuS abgeschlossen wird.
Die KuS feierte 2003 ihr 50jähriges Bestehen. In diesen 50 Jahren gab es mit Georg Hammer, Walter Kolb und Josef Wahl lediglich 3 Vorsitzende. Auch bei vielen anderen Vorstandsbesetzungen ist eine ungeheure Beständigkeit festzustellen. So waren die damaligen 9 Vorstandsmitglieder im Durchschnitt bereits 18,11 Jahre im Amt.
Ein imposantes Bild zeigte sich bei der Feierstunde am 07.03.2003 zum 50jährigen Bestehen der KuS. Viele Mitglieder der angeschlossenen Vereine und zahlreiche Ehrengäste leisteten der Einladung Folge.
Bürgermeister Edwin Mayer betonte in seiner Festrede, dass die KuS eine ausgezeichnet funktionierende Dachorganisation sei. Ausführlich blickte Edwin Mayer auf 50 Jahre Geschichte zurück und lobte das inzwischen seit nunmehr 25 Jahren entkrampfte Verhältnis zwischen Stadt und KuS, das wesentlich zum Gelingen der Veranstaltungen und zum Gemeinwohl beitrage.
Landrat Werner Schröter betonte in seinem Grußwort die gute Harmonie der Schifferstadter Vereine unter dem Motto „Gemeinsamkeit macht stark“. Besonders lobte er die gute Jugendarbeit in allen Vereinen.
Als Vertreter der Sportvereine wünschte der Präsident der Sporthilfe Rheinland Pfalz-Saarland Egon Heberger der Vereinigung auch in Zukunft eine gute Entwicklung zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger.
Im Namen der Kulturvereine stellt Erich Armbrüster fest, dass das Kulturleben von Schifferstadt den Vergleich mit anderen Städten nicht zu scheuen braucht, denn Schifferstadt sei eine singende und musizierende Stadt.
Kurt Schade würdigte als Vertreter der Zuchtvereine deren große Verdienste. Sie hätten allen Grund, auf die von ihnen in gutem Gemeinschaftssinn erbrachten Leistungen, stolz zu sein.
Die KuS ist inzwischen erwachsen geworden. Ungeheure Schwierigkeiten wurden in den vergangenen Jahren beseitigt. Große Differenzen zwischen der Stadt und KuS, aber auch unter den Vereinen selbst wurden, wenn auch teilweise mühsam, aus dem Weg geräumt. Dinge um die in den ersten Jahren der Vereinigung hart und verbissen gekämpft werden musste, sind heute längst eine Selbstverständlichkeit.
Die Kultur- und Sportvereinigung ist fast 60 Jahre nach ihrer Gründung ein ernst genommener Partner, dessen Rat bei zahllosen Entscheidungen eingeholt und auch beachtet wird. Die Vereine unterstützen sich gegenseitig und stellen eine Einheit dar.
Die Arbeit, die in den der KuS inzwischen 60 angeschlossenen Sport- Kultur- und Zuchtvereinen für das Gemeinwohl geleistet wird, ist unverzichtbar und von höchster Bedeutung für das Gemeinwesen. Bleibt zu hoffen, dass das inzwischen hervorragende und vertrauensvolle Zusammenspiel zwischen der Stadt Schifferstadt und der Kultur- und Sportvereinigung auch künftig erhalten bleibt und sich in positivem Sinne für alle weiter entwickelt.
Am 11.06.2010 ist der langjährige Vorsitzende Josef Wahl aus Altersgründen aus dem Vorstand ausgeschieden und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Neuer 1. Vorsitzender ist seit 11.06.2010 Wolfgang Knobloch.